Börse Frankfurt – Deutschlands grösster Börsenplatz
In meiner Blogserie «Finance Unplugged» behandle ich verschiedene Finanzthemen. Wie immer, leicht, leserlich, verständlich. Dieser Beitrag gibt einen umfassenden Einblick in die Geschichte, Funktion, Bedeutung und Zukunft der Börse Frankfurt, Deutschlands grösster Börsenplatz, und warum sie für private und institutionelle Anleger gleichermaßen wichtig ist.

Die Börse Frankfurt – Herzstück des deutschen Kapitalmarkts
Die Börse Frankfurt ist viel mehr als «nur» ein historisches Gebäude. Sie steht an erster Stelle mal für den DAX, dem Deutschen Aktienindex, für DIE Finanzmetropole Deutschlands und einer der grössten Finanzplätze Europas, für Wirtschaftsnachrichten und vielleicht auch hektisches Treiben auf dem Parkett. Doch was steckt eigentlich hinter dieser Institution, die so oft in den Schlagzeilen erscheint? Für Anleger, Unternehmen, Politiker und Medien ist sie ein zentraler Ort – nicht nur physisch in Frankfurt, sondern auch symbolisch für das deutsche Wirtschaftsleben.
Börse Frankfurt: Vom Tauschplatz zur digitalen Handelsplattform
Die Ursprünge der Börse Frankfurt reichen bis ins Jahr 1585 zurück. Damals trafen sich Kaufleute, um sich über einheitliche Wechselkurse zu einigen. Frankfurt, verkehrsgünstig gelegen und schon früh ein bedeutender Messestandort, entwickelte sich rasch zu einem Handelszentrum für Waren, Währungen und später auch für Aktien.
Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Frankfurter Börse vom physischen Umschlagsplatz zu einer hochmodernen, global vernetzten Handelsplattform. Besonders ab dem 20. Jahrhundert spielte sie eine wachsende Rolle für das internationale Finanzsystem – nicht zuletzt durch die Einführung elektronischer Handelssysteme wie Xetra im Jahr 1997. Heute ist Frankfurt nicht nur die größte Börse in Deutschland, sondern zählt auch zu den wichtigsten und bedeutendsten Finanzplätzen Europas.
Struktur und Organisation: Wer betreibt die Börse Frankfurt?
Die Börse Frankfurt wird von der Deutsche Börse AG betrieben, einem Unternehmen mit Sitz in Eschborn bei Frankfurt. Die Deutsche Börse AG betreibt nicht nur den physischen Handelsplatz in Frankfurt, sondern auch den vollelektronischen Handelsplatz Xetra, über den heute der Großteil des Aktienhandels in Deutschland abgewickelt wird. Die Aktie der Deutsche Börse AG mit der ISIN DE0005810055 ist auch selbst im DAX gelistet.
Wichtig zu wissen: Die Frankfurter Börse besteht eigentlich aus zwei Teilbereichen. Nämlich aus dem Xetra Handel – dem elektronischen Börsenplatz mit hoher Liquidität und Transparenz. Und dem Parketthandel, also dem traditionellen Präsenzhandel mit Spezialisten vor Ort. Dieser Teil wird heute vor allem für weniger liquide Werte genutzt. Beide Bereiche stehen unter der Aufsicht der Hessischen Börsenaufsichtsbehörde, die wiederum dem hessischen Wirtschaftsministerium unterstellt ist.
Der DAX und andere Indizes: Wie die Börse Frankfurt Märkte misst
Ein Großteil der medialen Aufmerksamkeit rund um die Börse Frankfurt konzentriert sich auf den DAX – den Deutschen Aktienindex. Dieser Index spiegelt die Wertentwicklung der 40 größten und liquidesten börsennotierten Unternehmen Deutschlands wider (bis 2021 waren es 30). Zu den DAX-Schwergewichten zählen unter anderem grosse Firmen wie z.B. SAP, Siemens, Allianz oder Deutsche Telekom. Zum Vergleich, der SMI, der Swiss Market Index aus der Schweiz, zählt nur die 20 grössten Unternehmen der Schweiz. Dieser ist allerdings sehr Pharmalastig, denn die zwei Schweizer Pharmariesen Novartis und Roche machen fast die Hälfte der Marktkapitalisierung des SMI aus.
Doch der DAX ist nicht der einzige Index, der in Frankfurt beheimatet ist. Weitere wichtige Indizes sind der MDAX. Darin sind Unternehmen der zweitgrößten Marktkapitalisierung (Mid Caps) gelistet. Dann ist da noch der SDAX, darin sind kleinere börsennotierte Unternehmen gelistet (Small Caps). Und zuletzt ist da noch der TecDAX, das sind vorwiegend Techno-logiewerte aus Deutschland. Diese Indizes dienen Investoren als Benchmark und helfen bei der Einschätzung der Marktstimmung sowie der Entwicklung einzelner Sektoren. Unter Umständen können die drei kleinen Brüder des DAX Indexes in einem Jahr auch besser performen als der grosse Bruder. Diese drei kleinen Indizes bieten somit gute Investment-Alternativen zum grossen DAX.

Bedeutung für Privatanleger: Wie man an der Börse Frankfurt investiert
Für private Anleger bietet die Börse Frankfurt zahlreiche Möglichkeiten, am Kapitalmarkt teilzunehmen. Der Zugang erfolgt in der Regel über Banken oder Online-Broker. In der Schweiz z.B. über den Broker Swissquote. Diese leiten ihre Orders dann über Xetra. Ein großer Vorteil von Frankfurt ist die hohe Liquidität vieler Wertpapiere – insbesondere bei DAX-Werten – sowie die transparente Preisbildung. Anleger können an der Börse Frankfurt unter anderem mit z.B. Aktien, ETF oder Anleihen handeln. Zudem bietet die Deutsche Börse umfangreiche Informations- und Bildungsangebote für Privatanleger, darunter Webinare, Marktberichte und Tools zur Wertpapiersuche. Sogar einen eigenen, informativen Youtube-Kanal betreibt die Deutsche Börse AG.
Die Grössten DAX ETFs nach Fondsvolumen
Gerade für Anleger mit einem langen Zeithorizont und die eine Buy & Hold Strategie verfolgen, eignen sich ja ETFs sehr gut als Investitionsanlage. Diese lassen sich auch sehr gut kombinieren. Gerade für den DAX gibt es etliche ETFs. Das sind die grössten und beliebtesten nach Fondsvolumen:
Xtrackers DAX UCITS ETF 1C: Volumen ca. € 5.6 Mia. / Replikation physisch voll / Ausschüttend / Kosten: sehr niedrig TER = 0.09%
Amundi DAX UCITS ETF Dist: Volumen ca. € 1.3 Mia. / Replikation Physisch voll / Ausschüttend / Kosten: sehr niedrig TER = 0.08%
Globale Relevanz und internationale Vernetzung
Auch wenn die Börse Frankfurt primär ein deutscher Handelsplatz ist, ist sie stark international ausgerichtet. Viele ausländische Unternehmen lassen ihre Aktien in Frankfurt handeln, ebenso sind internationale Investoren stark vertreten. Besonders ETFs, Derivate und Anleihen mit internationalem Bezug werden rege gehandelt.
Die Deutsche Börse AG ist außerdem Eigentümerin und Betreiberin mehrerer internationaler Finanzinfrastrukturen, darunter der Derivatebörse Eurex und des Clearinghauses Clearstream. Damit ist Frankfurt auch ein Knotenpunkt im globalen Finanzsystem.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Trotz ihrer starken Position muss sich die Börse Frankfurt immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Einerseits ist sie starker europäischem Wettbewerb ausgesetzt wie z.B. der Börse London, der grössten Börse Europas, oder Paris. Digitalisierung und Blockchain-Technologie sind grosse Themen, die Handel und Strukturen verändern können. Selbst die Nachhaltigkeit ist ein grosses Thema. Gerade bei Finanzprodukten wie Aktien, die neue Herausforderungen an Unternehmen und Investoren stellen. Und zuletzt stellen neue und ggf. regulatorische Eingriffe seitens der EU und der Finanzbehörde sehr grosse Anforderungen an den Handelsplatz.
Gleichzeitig ergeben sich daraus aber auch immer wieder neue Chancen: Die Deutsche Börse hat sich zum Ziel gesetzt, Frankfurt zum führenden Handelsplatz für nachhaltige Finanzprodukte zu machen. Initiativen wie der „Green Bond Segment“ oder der Ausbau von ESG-Datenangeboten sind erste Schritte in diese Richtung.
Fazit: Frankfurt bleibt ein Pfeiler der deutschen Wirtschaft
Die Börse Frankfurt ist weit mehr als nur ein Symbol für Aktienkurse und Wirtschaftsnachrichten. Sie ist ein zentraler Ort der Kapitalbildung, der Finanzierung und des wirtschaftlichen Austauschs. Für private Anleger bietet sie Zugang zu einer Vielzahl von Anlageklassen, für Unternehmen einen Weg zur Kapitalaufnahme – und für die Gesellschaft einen Spiegel der wirtschaftlichen Lage.
Trotz des Wandels durch Digitalisierung, Globalisierung und Regulierung hat sich Frankfurt erfolgreich als moderner, leistungsfähiger Finanzplatz behauptet. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie gut die Börse auf neue Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, Blockchain und nachhaltiges Investieren reagieren kann. Sicher ist: Die Börse Frankfurt bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil des deutschen und europäischen Finanzsystems.

