Buy and Hold Strategie und die Psychologie des Investierens
In meiner Blogserie «Finance Unplugged» behandle ich verschiedene Finanzthemen. Dieser Beitrag beschäftigt sich speziell mit möglichen psychologischen Aspekten des Investierens. Denn insbesondere eine starke Marktvolatilität (Marktschwankung) und damit einhergehende Emotionen wie z.B. Angst, können selbst eine bewährte Strategie wie die Buy & Hold Strategie über den Haufen werfen. Wie immer leicht, leserlich, verständlich.
Die Buy & Hold Strategie, als eine mögliche Anlagestrategie, und die Psychologie des Investierens sind eng miteinander verbunden. Gerade volatile Marktzyklen, in denen die Märkte stark schwanken, können positive wie negative Emotionen auslösen. Diese Emotionen können das Verhalten der Anleger beeinflussen und somit langfristige Strategien ganz plötzlich über Bord werfen. Auch eine langfristige Buy & Hold Strategie ist vor Emotionen nicht gefeit. Diese Strategie ist für viele Privatanleger eine bewährte Methode, um langfristig Vermögen aufzubauen. In der Theorie mag diese Strategie einfach erscheinen. Man kauft z.B. Aktien oder ETFs und hält diese Anlagen über Jahre oder Jahrzehnte. Die Umsetzung der Strategie ist auch relativ einfach. Doch die Realität kann eben oft herausfordernd sein. In diesem Beitrag werde ich mögliche psychologische Aspekte des Investierens beleuchten und beschreiben, wie sie ggf. die Entscheidung für eine Buy & Hold Strategie beeinflussen können.

Die Grundlagen der Buy & Hold Strategie
Bevor wir uns mit der Psychologie des Investierens befassen, ist es wichtig, die Buy & Hold Strategie zu verstehen. Diese Anlagestrategie basiert auf der Annahme, dass die Märkte über einen längeren Zeitraum tendenziell steigen. Anleger kaufen z.B. Aktien oder andere Vermögenswerte und halten sie, unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen. Die Idee ist, von der langfristigen Wertsteigerung zu profitieren und die negativen Auswirkungen von Marktturbulenzen zu minimieren.
Unabhängig von den getätigten Investitionen und welche Anlagestrategie man verfolgt. Emotionen gehören zum Investieren dazu und der damit einhergehende Stress, kann eine entscheidende Rolle im Investitionsprozess spielen. Anleger können mitunter von Angst, Gier, Hoffnung und Unsicherheit geleitet sein. Diese Emotionen können zu irrationalen Entscheidungen führen, die den langfristigen Erfolg gefährden. Hier sind einige der häufigsten emotionalen Faktoren, die Anleger potentiell beeinflussen können:
Emotionale Faktoren des Investierens
Unabhängig von den getätigten Investitionen und welche Anlagestrategie man verfolgt. Emotionen gehören zum Investieren dazu und der mögliche, damit einhergehende, Stress, kann eine entscheidende Rolle im Investitionsprozess spielen. Anleger können mitunter von Angst, Gier, Hoffnung und Unsicherheit geleitet sein. Diese Emotionen können zu irrationalen Entscheidungen führen, die den langfristigen Erfolg gefährden. Hier sind einige der häufigsten emotionalen Einflussfaktoren.
Gier: Gier kann dazu führen, dass Anleger übermäßig optimistisch werden. Sie investieren grundsätzlich in riskante Anlagen oder bauen risikoreiche Anlagen sogar noch aus, ohne dabei die potenziellen Risiken zu berücksichtigen. Dies kann zu überhöhten Bewertungen und unter Umständen letztendlich zu Verlusten führen.
Angst vor Verlusten: Auf der anderen Seite, kann die Angst Geld zu verlieren dazu führen, dass Anleger in Zeiten von Marktvolatilität panisch reagieren. Insbesondere bei unabsehbaren, starken Marktkorrekturen. Sie verkaufen ihre Anlagen in der Hoffnung, weitere Verluste zu vermeiden oder zumindest zu minimieren. Das kann dann oft zu einem verpassten Aufschwung führen.
Herdentrieb: Menschen sind soziale Wesen und das Verhalten anderer kann unser eigenes Verhalten stark beeinflussen. Ich denke jeder hat das schon mal am eigenen Leib erfahren. Oft schaut man was der andere macht und verhält sich entsprechend. Nach dem Motto, wenn das alle so machen wird es wohl richtig sein. Ein solches Verhalten kann in der Finanzwelt immer wieder beobachtet werden. Kaum ereignet sich eine starke Korrektur am Markt, brechen die Märkte ein, weil etliche Anleger panisch ihr Papiere veräussern. Das führt oft zu einem Herdentrieb der auch rationale Anleger dazu bringt, ihre Positionen aufzugeben. Eben auch solche die man vorher vielleicht schon etliche Jahre gehalten hat und sich auch positiv entwickelt haben.
Marktvolatilität und ihre Auswirkungen
Marktvolatilität, also starke Kurschwankungen an den Aktienmärkten, ist ein unvermeidlicher Bestandteil des Investierens. Das gehört einfach dazu und kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden. Einerseits können geopolitische Ereignisse wie Kriege oder andere Konflikte die Volatilität anheizen. Andererseits reichen aber auch schon negative Wachstumsaussichten von Unternehmen oder Finanzinstitutionen aus. Und in der Welt von Social Media genügt oft auch ein «Tweet» von einem politischen Schwergewicht, um die Märkte zu verunsichern und in Schockstarre zu versetzen. Die Reaktion der Anleger auf diese Volatilität ist oft emotional und kann die Entscheidung für eine Buy & Hold Strategie erheblich beeinflussen.
Kursrückgänge: In Zeiten von Marktrückgängen neigen viele Anleger dazu, ihre Positionen zu überdenken. Die Angst vor weiteren Verlusten kann dazu führen, dass sie ihre Aktien verkaufen, anstatt an ihrer Buy & Hold Strategie festzuhalten. Dies kann zu einem Teufelskreis führen, in dem Anleger in einem Abwärtstrend verkaufen und nicht von den anschließenden Erholungen profitieren.
Du siehst, die allgemeine Stimmung an den Märkten kann die Entscheidungen der Anleger stark beeinflussen. In Zeiten von Euphorie neigen Anleger dazu, optimistisch zu sein und riskantere Anlagen zu kaufen (ganz nach dem Motto, es läuft ja blendend). In Krisenzeiten hingegen kann Pessimismus dazu führen, dass Anleger ihre Positionen aufgeben, selbst wenn die Fundamentaldaten stark bleiben (ganz nach dem Motto, wenn schon alle verkaufen, sollte ich das vielleicht auch).
Die Marktpsychologie bzw. die Emotionen und die daraus resultierenden Verhaltensweisen, welche sich dahinter verstecken, ist ein faszinierendes und komplexes Thema. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Erklärung, warum Märkte sich oft irrational verhalten und warum Anleger manchmal Entscheidungen treffen, die nicht auf rationalen Überlegungen basieren. Lass uns noch etwas tiefer in die Thematik eintauchen.

Emotionale Einflüsse
Angst und Gier: Diese zwei Emotionen sind bei weitem DIE treibenden Kräfte hinter vielen Marktbewegungen. Angst kann zu Panikverkäufen führen. Gier kann dazu verleiten, Risiken auszublenden und dadurch übermässige Investitionen zu tätigen. Diese Emotionen können zu übertriebenen Marktbewegungen führen, die nicht immer durch fundamentale Daten gerechtfertigt sind.
Hoffnung und Verzweiflung: Hoffnung kann Anleger dazu bringen, an verlustbringenden Positionen festzuhalten, in der Hoffnung auf eine Erholung. Verzweiflung hingegen kann dazu führen, dass Anleger in einem Abwärtstrend verkaufen, aus Angst, dass die Verluste weiter steigen. Diese emotionalen Zustände können die Entscheidungsfindung erheblich beeinflussen und dazu führen, dass Anleger von ihrer ursprünglichen Strategie abweichen.
Bestätigungsfehler: Ein Bestätigungsfehler (auch Bestätigungstendenz oder Bestätigungsverzerrung) ist ein Begriff der Kognitionspsychologie, der die Neigung bezeichnet, Informationen so zu ermitteln, auszuwählen und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen (bestätigen). Ein Beispiel; Wer glaubt, dass die meisten Raser eine bestimmte Automarke fahren, der wird genau diese Autos auch eher wahrnehmen, wenn sie auf der Autobahn mit hoher Geschwindigkeit an einem vorbeidüsen.
Auch Anleger neigen dazu, Informationen zu suchen und zu interpretieren, die ihre bestehenden Überzeugungen (z.B. Ängste) bestätigen. Dies kann dazu führen, dass sie Warnsignale ignorieren oder positive Nachrichten überbewerten, während sie negative Informationen unterschätzen oder sogar abwerten. Dieser Bias kann dazu führen, dass Anleger selbst bei einer «Schrottaktie», die Position bis zum bitteren Ende halten.
Verlustaversion: Die Theorie der Verlustaversion besagt, dass Menschen Verluste stärker empfinden als Gewinne. Dies kann dazu führen, dass Anleger riskante Entscheidungen treffen, um Verluste zu vermeiden, anstatt sich auf langfristige Strategien zu konzentrieren. Verlustaversion kann auch dazu führen, dass Anleger ihre Positionen zu früh verkaufen, um Verluste zu begrenzen, anstatt auf eine Erholung zu warten.
Herdentrieb: Wie weiter oben bereits beschrieben, sind Menschen soziale Wesen. Das Verhalten anderer kann unser eigenes Verhalten stark beeinflussen. Wenn viele Anleger verkaufen, kann dies zu einem Herdentrieb führen, der auch rationale Anleger dazu bringt, ihre Positionen aufzugeben. Dies kann zu übertriebenen Marktbewegungen führen, die nicht auf den tatsächlichen Wert von Vermögenswerten basieren.
Stimmungswechsel: Die Marktpsychologie ist oft auch von plötzlichen Stimmungswechseln geprägt. Ist die allgemeine Stimmung an der Börse gut, die Unternehmensnachrichten positiv, dann steigen die Kurse und die Anleger sind happy. Aber schon nur ein unerwartetes Ereignis, kann die Stimmung der Anleger schnell ändern und zu massiven Verkäufen führen. Aktuell ist die Stimmung an den Märkten z.B. aufgrund der aggressiven Zollpolitik der neuen US-Regierung von Donald Trump, ziemlich getrübt.
Die Rolle der Medien
Auch die Berichterstattung in den Medien kann die Marktpsychologie erheblich beeinflussen. In der heutigen digitalen Ära verbreiten sich Nachrichten in Echtzeit über verschiedene Kanäle wie TV, Online-Nachrichtenportale und soziale Medien. Diese sofortige Verfügbarkeit von Informationen kann unter anderem zu schnellen Marktreaktionen führen. Einerseits verkaufen sich sensationelle Schlagzeilen oder übertriebene Berichte auch in der Finanzwelt gut. Andererseits können solche Schlagzeilen die Stimmung an den Finanzmärkten beeinflussen. Durch die Art und Weise, wie Informationen verbreitet und wahrgenommen werden, können Medien also sowohl kurzfristige Marktschwankungen verursachen als auch langfristige Anlageentscheidungen beeinflussen.

Medien als Verstärkung von Marktstimmungen
Eine positive Berichterstattung über ein Unternehmen kann das Vertrauen der Investoren stärken und zu steigenden Aktienkursen führen. Umgekehrt kann eine negative Bericht-erstattung Angst und Unsicherheit schüren, was zu Verkaufsdruck und sinkenden Kursen führt. Dieses Phänomen wird durch die sogenannte Sentimentanalyse untersucht, die versucht, die Stimmung von Investoren anhand von Medienberichten und anderen Quellen zu messen und ihre Auswirkungen auf die Märkte zu verstehen.
Medien in der Verantwortung
Angesichts ihres Einflusses tragen Medien eine erhebliche Verantwortung. Ungenaue oder unseriös recherchierte Berichterstattung kann zu Fehlinterpretationen und irrationalen Marktbewegungen führen. Übertriebene Schlagzeilen können zu kurzfristigen Effekten führen. Aber auch langfristige Investitionsentscheidungen können durch die Berichterstattung der Medien beeinflusst werden. Ein gutes Beispiel dafür sind ETFs. Die kontinuierliche Berichterstattung über diese Anlageklassen hat zu einer wachsenden Popularität von ETFs geführt. Das hat auch dazu beigetragen, dass diese Anlageform in den letzten Jahren einen enormen Zuwachs erfahren hat.
Medien haben nicht nur in der Finanzwelt eine grosse Bedeutung, wenn es um die eigene Meinungsbildung geht. Deswegen ist es unerlässlich, dass man Medienberichte grund-sätzlich auch kritisch hinterfragt und dabei den gesunden Menschenverstand walten lässt. Man sollte sich dabei nicht auf einzelne Informationsquellen verlassen. Du siehst also, Emotionen und ggf. der dazugehörende oder deswegen ausgelöste Stress, gehören zum Investieren dazu. Man muss diese Gefühle erleben und sie gehören zum Lernprozess dazu. Das wirst du spätestens dann merken, wenn du selbst Geld an der Börse investierst.
Meine persönliche Erfahrung
Seit meinem Börsenstart im Sommer 2020, habe ich viele von den oben beschriebenen Emotionen erlebt. Persönlich habe ich dabei allerdings die Erfahrung gemacht, dass der Stresspegel bei einzelnen Aktien grösser ist als bei ETFs. Zumindest ist das bei mir so. Denn Einzelaktien schwanken viel stärker als Indexfonds.
Die ETFs in die ich zumindest investiert bin, sind bisher noch nie an einem Tag mehr als 2-3% gesunken. Bei Einzelaktien habe ich hingegen schon Tagesabstürze von bis zu 10% erlebt. Es kam auch schon vor, dass sich der schöne Gewinn, der eine Aktie während Monaten erzielt hatte, innerhalb weniger Tage verflüchtigte. Gefühle wie eben Angst oder Verzweiflung, können da schon mal eintreten und man muss aufpassen, nicht panisch darauf zu reagieren. Ruhig Blut zu bewahren ist da nicht ganz so einfach. Mit der Zeit fällt es einem aber leichter mit solchen Gefühlen umzugehen. Denn die Erfahrung zeigt, auf eine starke Korrektur folgt meistens auch wieder ein Aufschwung. Gerade deswegen ist man mit der Buy & Hold Strategie und einem langen Anlagehorizont, trotz allem immer noch sehr gut beraten.
Übrigens, falls dich die Thematik der Psychologie rund um das Investieren interessiert, dann kann ich dir das Buch «Psychologie des Geldes» von Morgan Housel wärmstens empfehlen. Das Buch beschreibt unter anderem, wie die Börse und Finanzanlagen eben durch Extremereignisse wie Kriege, Wirtschaftskrisen oder eben auch Emotionen wie Gier beeinflusst werden.
Hast du auch schon Erfahrungen mit starken Marktkorrekturen gemacht und wie hast du dich dabei gefühlt? Dann schreibe das gerne unten in die Kommentarspalte, ich würde mich über einen Austausch sehr freuen.

