In ETF investieren – schnell und einfach
In meiner Blogserie «Finance Unplugged» behandle ich verschiedene Finanzthemen. Wie immer, leicht, leserlich, verständlich. Dieser Beitrag befasst sich mit dem Investieren in ETF und wie man schnell und einfach in diese Anlageklasse investieren kann. ETF werden als Anlageklasse immer beliebter. Gerade für Einsteiger bieten sie einen sehr guten Einstieg in die Welt der Börse, denn das Investieren geht schnell und einfach.
Einleitung – was ist ein ETF?
Exchange Traded Funds, kurz ETFs, sind Investmentfonds, also Finanzprodukte, die an der Börse gehandelt werden – ähnlich wie Aktien. Sie bilden die Wertentwicklung eines bestimmten Index wie z. B. des DAX, MSCI World oder S&P 500 nach. Wer in einen ETF investiert, beteiligt sich automatisch an allen Unternehmen, die in diesem Index enthalten sind. Dies sorgt für eine breite Streuung (Diversifikation) des Investments. Denn, ja nach dem welchen ETF man auswählt, ist man auf einen Schlag in über 1’000 verschiedenen Unternehmen investiert. Das reduziert das Risiko von einem etwaigen Verlust natürlich ungemein. Zudem werden ETFs «passiv» verwaltet werden. Das bedeutet, dass sie keinen Fondsmanager benötigen. Gerade deswegen sind sie meist deutlich kostengünstiger als «aktiv» (also mit Fondsmanager) gemanagte Fonds.

Die Geschichte der ETFs: Wann sind sie entstanden?
Die Idee eines passiv verwalteten Fonds existiert bereits seit den 1970er Jahren. Der erste ETF wurde jedoch erst 1990 in Kanada aufgelegt und feiert in diesem Jahr somit das 35 jährige Jubiläum. Dabei handelte es sich um den Toronto Index Participation Fund, der den TSE 35 Index abbildete. Der Durchbruch kam allerdings mit dem US-Markt: 1993 wurde der “SPDR S&P 500 ETF” (Ticker: SPY) in den USA eingeführt. Dieser ETF bildet den bekannten S&P 500 Index ab und gehört bis heute zu den volumenstärksten ETFs weltweit.
In Europa kamen ETFs etwas später auf den Markt. Der erste europäische ETF wurde im Jahr 2000 an der Deutschen Börse in Frankfurt notiert. Seitdem hat sich der Markt rasant entwickelt. Heute gibt es weltweit Tausende von ETFs, die nahezu jeden erdenklichen Markt, jede Branche bzw. Industrie und jede Strategie abbilden.
In ETF investieren – folgendes sollte man berücksichtigen
Der Einstieg in das Investieren mit ETFs geht relativ schnell und einfach bzw. es geht einfacher als man zunächst meinen könnte. Dennoch sollte man sich zuerst etwas mit der Materie befassen und sich dazu gewisse Gedanken machen wie z.B.
Finanzielle Ziele definieren: bevor man mit dem Investieren beginnt, sollte man sich bewusst werden, welches Ziel mit dem Investment grundsätzlich verfolgt wird. Geht es z.B. um den Vermögensaufbau für die Altersvorsorge, den Kauf einer Immobilie oder möchte man einfach nur die eigene Sparquote optimieren?
Risikobereitschaft einschätzen: die Märkte können bekanntlich jederzeit Schwanken und jeder Anleger hat dem gegenüber eine andere Toleranz. Wer allerdings langfristig denkt und nicht in Panik gerät, wenn die Kurse fallen, kann höhere Risiken eingehen und somit auch potenziell höhere Renditen erzielen.
Broker-Konto eröffnen: will man an der Börse handeln und in ETF investieren, benötigt man ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Online-Broker wie z.B. der Schweizer Online-Broker-Pionier Swissquote, sind sehr beliebt. In wenigen Schritten ist ein Depot eröffnet und man kann schnell und einfach mit dem Investieren in ETF beginnen.
In ETF investieren – so gelingt der Start
Sparplan oder Einmalanlage: Einsteiger entscheiden sich häufig für einen monatlichen ETF-Sparplan. Das hat den Vorteil, dass man automatisch regelmässige Beträge investiert. Die meisten Broker bieten mittlerweile solche Sparpläne an, auch Swissquote. Wer grössere Summen zur Verfügung hat, kann aber auch direkt eine Einmalanlage bzw. regelmässige Einlagen tätigen. Je nach dem wieviel Geld man gerade zur Verfügung hat. Ich investiere jeweils immer in 1’500.- Schritte. Sobald ich diesen Betrag angespart habe, kaufe ich wieder ETF Anteile.
Sparplan ETF-Auswahl treffen: bei der Auswahl von entsprechenden ETFs, sollte man gewisse Kriterien berücksichtigen. Es gibt eine Vielzahl an ETFs und diese unterscheiden sich z.B. im Volumen, also der Fondsgrösse, den Kosten (TER) oder in der Art (ausschüttende oder thesaurierende). Zudem gibt es viele unterschiedliche Anbieter von ETF. Im Internet findet man aber viele Plattformen, auf denen man sich vorher gut informieren kann. Die beste Plattform in Sachen ETF ist für mich z.B. die Webseite von JustEtf. Hier werden die ETF-Produkte sehr gut erklärt.
Langfristig denken und investiert bleiben: ETFs sind ein langfristiges Investment. Kurzfristige Marktschwankungen sollten ignoriert und der Fokus auf die langfristige Entwicklung gelegt werden. ETFs eignen sich daher optimal für eine Buy & Hold Strategie. Dabei werden eben z.B. ETF gekauft und sehr lange gehalten. Marktschwankungen wird es immer geben. Bei einem langen Anlagehorizont, können solche Schwankungen und ggf. kurzfristigen Börsenverluste, aber meistens wieder aufgefangen werden.
Wie stellt man sich ein ETF-Portfolio zusammen?
Wenn es um das zusammenstellen eines ETF-Portfolios geht, hat sich das Weltportfolio von Gerd Kommer sehr gut bewährt. Kommers Weltportfolio baut auf der Idee eines global diversifizierten Portfolios, mit langfristigem Anlagehorizont auf. Ich habe mein Depot nach diesem Konzept ausgerichtet und ich fahre damit bisher sehr gut. Das Portfolio wird dabei aus wenigen ETFs konzipiert und zusammengestellt. Damit kann man schnell und einfach in ETF investieren, denn für die Umsetzung wird lediglich ein Depot bei einem Online-Broker benötigt (wie bereits weiter oben beschrieben). Nachfolgend gebe ich gerne ein Beispiel darüber, welche ETFs ein solches Welt-Portfolio beinhalten könnte:
iShares Core MSCI World UCITS ETF USD: dieser ETF umfasst z.B. über 1’000 Aktien aus 23 entwickelten Ländern (Industrienationen) weltweit.
iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF: dieser ETF umfasst z.B. über 3’000 Aktien aus Schwellenländern wie China, Taiwan oder Brasilien.
iShares Core Euro Government Bond UCITS ETF: dieser ETF umfasst Anleihen von Staaten wie z.B. Deutschland, Italien oder Frankreich.
iShares Developed Markets Property Yield UCITS ETF: Dieser ETF bietet Zugang zu börsennotierten Immobilienunternehmen.
WisdomTree Broad Commodities UCITS ETF: Dieser ETF bietet Zugang zu Aktien von Unternehmen die im Rohstoffhandel oder deren Produktion tätig sind wie z.B. Energie, Edel- oder Industriemetalle.
Ich persönlich investiere grundsätzlich nicht in Rohstoffe und zwar aus Ethischen Gründen. Die Gewinnung von Rohstoffen ist für die Umwelt sehr belastend. Kommt dazu, dass in solchen ETFs zum Teil auch Unternehmen stecken, die Handel mit Lebendvieh betreiben. An solch einem Handel will ich kein Geld verdienen bzw. solche Industrien will ich mit meinen Ersparnissen nicht unterstützen.

Häufige Fehler beim ETF-Investment und wie man sie vermeidet
Investieren ist keine Wissenschaft. Allerdings machen gerade Einsteiger oft typische Fehler, die sich mit etwas Vorbereitung vermeiden lassen. Folgende Fehler können einem passieren:
Zu viele verschiedene ETFs kaufen: Diversifikation ist wichtig, aber zu viele ETFs können zu unnötiger Komplexität führen. Oft reichen ein bis maximal drei breit gestreute ETFs, wie das eben z.B. Gerd Kommer mit seinem ETF Welt-Portfolio propagiert. Es braucht nicht viele, es braucht nur wenige aber richtige ETFs.
Markttiming versuchen: niemand auf dieser Welt kann den Markt zuverlässig timen bzw. niemand kann Börsenschwankungen voraussagen. Wer das von sich behauptet ist unseriös. Besser ist es, regelmässig und ggf. automatisiert zu investieren. Wie erwähnt, wird sich ein langer Anlagehorizont in Zukunft auszahlen.
Panikverkäufe bei Kurseinbrüchen: wer langfristig denkt, bleibt investiert – gerade in Krisenzeiten. Rückgänge sind normal und bieten oft sogar Kaufgelegenheiten. Zudem kostet das wiederkehrende Kaufen und Verkaufen jedesmal Transaktionsgebühren und das schmälert die Rendite.
Keine Notfallreserve aufbauen: bevor man mit dem Investieren startet, sollte man sich vorher ein finanzielles Polster für unvorhergesehene Ausgaben aufgebaut haben. Ein nachhaltiger Vermögensaufbau benötigt Zeit. In dieser Zeit kann viel passieren. Auf das Geld, das sich in einem Portfolio befindet, sollte man mittel- bis langfristig nicht finanziell angewiesen sein.
Mögliche Nachteile von ETFs
Trotz seiner Beliebtheit und vielen Vorteilen, sind ETFs nicht ohne Kritik. Folgende Punkte sollte man trotz allem bedenken:
Keine Outperformance: Wer diese Strategie wählt und sich ein ETF-Portfolio zusammenstellt, der wird „nur“ die Marktrendite bekommen. Spektakuläre Kursgewinne wie das lange bei Aktien wie z.B. Tesla oder Nvidia der Fall gewesen ist, wird das mit einem ETF nicht erleben. Aus Erfahrung kann ich aber sagen. ETF steigen nicht spektakulär, aber tendenziell steigen sie und zwar nachhaltig.
Langweilig, aber effektiv: Viele empfinden das passive Investieren als langweilig. Es fehlt vielleicht der Nervenkitzel, der beim täglichen Traden oder Stock-Picking entsteht. Doch gerade diese „Langweiligkeit“ ist oft der Schlüssel zum Erfolg. Wie bereits erwähnt gibt es bei einem ETF keine spektakulären Kursgewinne. Spektakuläre Kurseinbrüche allerdings auch nicht.
Marktschwankungen bleiben: Auch ein Weltportfolio aus ETFs kann in einer Krise an Wert verlieren. Es schützt also nicht vor Verlusten. Es hilft aber dabei, besser damit umzugehen.
Psychologische Herausforderung: Nicht zu verkaufen, wenn der Markt stark schwank, ist leichter gesagt als getan. Selbst disziplinierte Anleger müssen sich in solchen Fällen emotional unter Kontrolle halten. Aber noch einmal, ETFs schwanken nicht so stark, wie das zum Teil bei Einzelaktien der Fall sein kann.
Fazit: Langfristiges Investieren zahlt sich aus
Investieren in ETF bietet eine hervorragende Möglichkeit, seine Ersparnisse schnell und einfach an der Börse zu investieren und langfristig ein Vermögen aufzubauen – und zwar kostengünstig, transparent und breit diversifiziert. Wer seine Ziele kennt, seine Risikobereitschaft richtig einschätzt und kontinuierlich investiert, kann vom weltweiten Wirtschaftswachstum profitieren.
Die Einstiegshürden sind niedrig, dennoch lohnt es sich, sich vorher gut zu informieren und ein individuelles Portfolio zusammenzustellen. Mit einem langen Atem und einem kühlen Kopf lässt sich mit ETFs ein solides Fundament für die finanzielle Zukunft legen. Wer zudem diszipliniert spart, regelmässig investiert (z. B. per Sparplan) und über Jahrzehnte dranbleibt, kann mit einem ETF-Portfolio seine Ersparnisse vermehren und ein durchaus auch ein kleines «Vermögen» erzielen. Mit einem langen Atem und einem kühlen Kopf lässt sich mit ETFs ein solides Fundament für die finanzielle Zukunft legen.

