Welche ETFs kombinieren für ein ausgewogenes Portfolio?
In meiner Blogserie «Finance Unplugged» behandle ich verschiedene Finanzthemen. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit ETFs und und wie man welche ETFs kombinieren kann um ein ausgewogenes Portfolio zu erstellen. Wie immer leicht, leserlich, verständlich.
ETFs (Exchange Traded Funds) sind Finanzprodukte, die insbesondere Privatanlegern eine einfache und kostengünstige Möglichkeit bieten, in verschiedene Märkte und Anlageklassen zu investieren. Sie haben in den letzten Jahren aufgrund ihrer Flexibilität, niedrigen Kosten und Diversifikation (Risikostreuung) an Bedeutung gewonnen. In diesem Beitrag werde ich die Grundlagen von ETFs erklären und eine Liste von ETFs zusammenstellen, die sich gut miteinander kombinieren lassen. Das Ziel ist dabei ein ausgewogenes Portfolio zu erstellen, das über Jahre und Jahrzehnte hinweg eine nachhaltige Rendite generiert. Hier erfährst du welche ETFs man kombinieren kann um ein ausgewogenes Portfolio aufzubauen.

Was ist ein ETF?
Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index nachbildet. Das bedeutet, dass er die Wertentwicklung eines bestimmten Marktes oder Sektors, bzw. einer Industrie, widerspiegelt. Sei dies ein Aktienindex, ein Rohstoffindex, ein Immobilienindex oder eine entsprechende Mischform davon. Zum leichteren Verständnis vergleiche ich einen ETF gerne mit einem Warenkorb. Im Warenkorb befinden sich Lebensmittel wie z.B. Äpfel, Birnen, Brot und Käse. In einem Aktienindex bzw. Aktien-ETF findet man nun keine Lebensmittel, sondern Aktienanteile von Unternehmen wie z.B. Apple, Tesla oder Novartis. Solche ETFs werden weltweit an den Börsen gehandelt und genau das macht sie für Privatanleger attraktiv. Das sind ihre Vorteile:
Diversifikation: Das ist der grösste Vorteil von einem ETF. Ein ETF enthält in der Regel viele verschiedene Positionen also Wertpapiere bzw. Aktienanteile. Dadurch wird das Verlustrisiko auf sehr viele verschiedene Aktien und somit Firmen gestreut. Zum Beispiel enthält ein ETF, der den deutschen Aktienindex DAX abbildet, Anteile von allen 30 Unternehmen, die auch im DAX-Index gelistet sind.
Geringe Kosten: Im Vergleich zu traditionellen Investmentfonds sind ETFs in der Regel kostengünstiger. Denn es fallen keine Ausgabeaufschläge an, und auch die Verwaltungsgebühren sind in der Regel niedriger.
Buy & Hold Strategie: ETFs eignen sich sehr gut für eine Buy & Hold Strategie. Bei dieser Strategie geht es um das langfristige Anlegen (kaufen und sehr lange halten) von Wertanlagen wie z.B. Aktien. Ein langer Anlagehorizont über Jahre oder Jahrzehnte hinweg ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Diese Strategie lässt sich durch ein Investment in ETFs denn auch sehr gut umsetzen.
Transparenz: Die meisten ETFs veröffentlichen täglich ihre Bestände bzw. deren Inhalt, was eine hohe Transparenz bedeutet. Anleger wissen also immer, welche Werte bzw. Unternehmen sich im entsprechenden Fonds befinden. Im Zusammenhang mit einer Nachhaltigen Investition ist Transparenz wichtig. Denn ihr wollt nicht Firmen unterstützen, die z.B. weltweit Handel mit Vieh betreiben. Ich jedenfalls nicht.
Automatisierung: ETFs können als Teil eines automatisierten Anlageplans (z.B. Sparplan) verwendet werden. Das erleichtert den langfristigen Vermögensaufbau.
ETF Arten
Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Arten von ETFs die man kombinieren kann und die auf unterschiedliche Märkte (Länder oder Regionen) und Anlageklassen bzw. Sektoren (also Industrien wie z.B. Rohstoffe, Energie oder Immobilien) abzielen. Und einige dieser ETFs lassen sich gut kombinieren mit dem Ziel, ein ausgewogenes Portfolio aufzubauen. Es gibt auch verschiedene Finanzunternehmen und Investmentgesellschaften, die solche ETFs bauen und sie dann an den Börsen weltweit anbieten. Deswegen gibt es ETFs die denselben Index nachbilden, aber dann etwas anders heissen. Je nachdem welche Finanzgesellschaft dann halt hinter dem ETF steckt. Die bekanntesten Finanzgesellschaften sind BlackRock, Vanguard oder Amundi. Einfach damit ihr das auch mal gehört habt. Aber jedenfalls sind das die wichtigsten Arten von ETFs:
Aktien-ETFs: Diese ETFs bilden die Wertentwicklung eines bestimmten Aktienindex ab, wie z.B. den deutschen Aktienindex DAX, den amerikanischen S&P 500 oder den MSCI World. Der MSCI World ist sehr beliebt. Denn ein solcher ETF beinhaltet zum Teil über 1’000 Positionen also Aktienanteile von über 1’000 Unternehmen weltweit. Auf einen Schlag investiert man somit in Unternehmen wie z.B. Apple, Nvidia, Microsoft oder Novartis.

Anleihen-ETFs: Diese ETFs investieren in Anleihen, entweder in Staatsanleihen, auch Obligationen genannt (z.B. der USA), Unternehmensanleihen oder Unternehmensanleihen aus bestimmten Sektoren bzw. Industrien.
Rohstoff-ETFs: Diese ETFs investieren in Rohstoffe wie Gold, Silber oder Energie wie z.B. Öl oder Wind.
Branchen- und Sektor-ETFs: Diese ETFs konzentrieren sich auf spezifische Industrien oder Sektoren wie Technologie, Gesundheit oder Immobilien.
Wie funktioniert ein ETF?
ETFs funktionieren durch den sogenannten Indexnachbildungsprozess. Dies bedeutet, dass ein ETF die Zusammensetzung eines bestimmten Indexes, wie eben z.B. den deutschen DAX nachbildet, indem er in die im Index enthaltenen Aktien investiert. Der ETF bildet die Performance des Index möglichst genau nach. Um die Diversifikation zu gewährleisten, kaufen ETFs in der Regel eine Vielzahl von Wertpapieren. Dabei gibt es zwei Hauptarten, wie ein Index nachgebildet wird nämlich, physisch oder synthetisch.
Stell dir das mal so vor. Du möchtest Geld in ein riesiges Buffet investieren. Die physische Replikation ist, als würdest du jedes einzelne Gericht auf dem Buffet direkt kaufen. Die synthetische Replikation hingegen ist, als würdest du dich mit einem Experten absprechen, der dir sagt, wie du das Buffet nachbilden kannst, ohne tatsächlich jedes Gericht kaufen zu müssen.

Physische Replikation: Das ist die klassische Methode. Bei der physischen Replikation kauft der ETF die tatsächlichen Wertpapiere, die im Index auch enthalten sind. Der Fonds hält also die Aktien, Anleihen oder andere Vermögenswerte, die im Index enthalten sind. Also würde ein ETF, der z.B. den DAX abbildet, Aktien von all den 30 im DAX enthaltenen deutschen Unternehmen kaufen.
Synthetische Replikation: Bei der synthetischen Replikation wird der ETF nicht die einzelnen Wertpapiere kaufen, sondern einen sogenannten Swap-Vertrag (Tauschvertrag) mit einer Bank oder einem Finanzinstitut eingehen. Der Swap garantiert, dass der ETF die gleiche Performance wie der zugrunde liegende Index erzielt. Synthetische ETFs können somit oft günstiger sein, da sie nicht die tatsächlichen Wertpapiere kaufen müssen, was Kosten spart.
Welche Art soll man nun kaufen? Wer eine einfache, transparente und direkt nachvollziehbare Strategie bevorzugt, könnte zur physischen Replikation tendieren. Denn hier kannst du sicher sein, dass der ETF echte Vermögenswerte hält. Wer jedoch auf niedrige Kosten oder bestimmte Märkte setzt, könnte synthetische ETFs in Betracht ziehen. Ich zumindest setze immer auf physische ETFs.
Nachteile von ETFs
ETFs bieten viele Vorteile. Es gibt aber auch ein paar Nachteile. Der Vollständigkeitshalber sollen diese auch erwähnt werden:
Marktrisiko: Egal welche Anlagestrategie man verfolgt oder in welche Anlagen man investiert. Eine Risikoarme Anlageform gibt es nicht. Wer etwas anderes behauptet, ist unseriös. Da ETFs Indexe nachbilden, sind sie den Schwankungen des Marktes ausgesetzt. Steigt der Kurs des abgebildeten Index, steigt auch der Kurs des ETF. Sinkt der Kurs, wirkt sich das im Umkehrschluss ebenfalls auf den ETF aus.
Keine aktive Verwaltung: ETFs werden passiv gemanagt. Somit besteht keine Möglichkeit, von Marktveränderungen durch eigene oder aktive Entscheidungen des Fondsmanagements zu profitieren.
ETFs kombinieren
Ein gut strukturiertes Portfolio sollte breit diversifiziert sein und unterschiedliche Anlageklassen sowie geografische Märkte und Regionen abdecken. Gerade eine Diversifikation nach Regionen ist wichtig. Eine kluge Kombination verschiedener ETFs kann helfen, das Risiko zu minimieren und gleichzeitig das Potenzial für eine stabile Rendite zu maximieren. Im Folgenden stelle ich eine mögliche Liste von ETFs vor, die sich gut miteinander kombinieren lassen, um ein ausgewogenes Portfolio zu erzielen:
MSCI World ETF (Globales Aktienportfolio): Wie bereits erwähnt, ist der MSCI World Index ein sehr beliebter ETF. Er umfasst über 1’000 Aktien aus 23 entwickelten Ländern (Industrienationen) weltweit. Er ist zwar sehr USA-lastig, weil viele der Aktien, die sich in diesem ETF befinden, sind von US Amerikanischen Unternehmen. Aber die USA ist auch der grösste Börsenplatz der Welt bzw. viele der Firmen mit dem grössten Börsenwert kommen aus den USA. Ein ETF, der diesen Index abbildet, bietet eine breite Streuung über verschiedene Märkte. Es ist ein idealer Ausgangspunkt für ein global diversifiziertes Portfolio. Dieser ETF lässt sich denn auch gut mit anderen kombinieren.

MSCI Emerging Markets ETF (Schwellenländer für eine regionale Diversifikation): Investiert man nur in einen einzelnen ETF der stark auf Industrienationen und somit ggf. den USA ausgerichtet ist, wie das z.B. beim oben erwähnten MSCI World, ist das Portfolio stark auf eine gewisse Region ausgerichtet. Das bedeutet, dass es stark von der Wirtschaftslage in dieser Region abhängig ist. Durch die Kombination mit regionalen ETFs, wie z.B. dem Emerging Markets ETF, kann man das Risiko streuen und auch von der globalen Marktentwicklung der Schwellenländer profitieren.
Als Schwellenländer werden dabei Länder bezeichnet, die auf der Schwelle zur Industrienation liegen. Per Definition gilt ein solches Land noch nicht als Industrienation. Charakteristisch für ein Schwellenland ist das Nebeneinander von modernen Bereichen und sehr armen und wenig entwickelten Regionen. China ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Denn China hat zwar sehr entwickelte Regionen wie die Industriezentren rund um Shanghai oder Peking (um nur zwei zu nennen). Aber es gibt nach wie vor viele Regionen, die noch sehr unterentwickelt sind. Dadurch sind häufig auch die sozialen Unterschiede riesig groß. Zu den Schwellenländern zählen derzeit beispielsweise eben China, Indien, Brasilien, Mexiko oder Südafrika. Ein Emerging Market ETF bietet somit Zugang zu Aktien von Unternehmen aus diesen Ländern. Diese Märkte bieten oft höhere Wachstumschancen als die Industrienationen. Denn diese Länder befinden sich eben noch in der Entwicklung und sind nicht so stark gesättigt wie Märkte in den Industrienationen.
MSCI ACWI ETF (Globales All-Country-Portfolio): Der MSCI ACWI Index umfasst hingegen sowohl die entwickelten Märkte als auch Schwellenländer. Ein solcher ETF ist also eine Kombination von beiden ETFs die oben beschrieben sind. Ein ETF, der diesen Index abbildet, ist eine hervorragende Möglichkeit, die gesamte Weltwirtschaft abzubilden und somit eine breite Diversifikation zu erreichen. Man deckt also die ganze Aktienwelt mit nur einem ETF ab.
S&P 500 ETF (US-amerikanische Aktien): Der S&P 500 Index umfasst die 500 größten und bedeutendsten Unternehmen in den USA. Ein ETF, der diesen Index abbildet, bietet eine hervorragende Möglichkeit, um ggf. nur in den US-Markt zu investieren. Die USA sind nach wie vor eine der größten und stabilsten Volkswirtschaften weltweit. Darüber hinaus, wie bereits erwähnt, sind die USA auch der grösste Börsenplatz weltweit.
Euro Stoxx 50 ETF (Europäische Aktien): Der Euro Stoxx 50 umfasst die 50 größten Unternehmen der Eurozone. Ein ETF, der diesen Index abbildet, bietet eine gute Möglichkeit, um ggf. nur in europäische Unternehmen zu investieren. Für Anleger, die in Europa investieren möchten, ist dies eine gute Wahl. Als Kombination mit einem S&P 500, der nur in US-Firmen investiert ist, ist ein solcher ETF sinnvoll. Denn nicht jede Börsenregion läuft gleich gut (oder gleich schlecht).
Anleihen-ETFs: Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Asset- bzw. Anlageklasse. Während Aktien-ETFs in der Regel die größte Rolle in einem Portfolio spielen, können auch ETFs auf Anleihen, Rohstoffe oder Immobilien sinnvoll sein, um das Risiko weiter zu streuen. Anleihen-ETFs bieten zum Beispiel eine stabilere Einkommensquelle, da sie weniger stark schwanken als Aktien.
Rohstoff ETF: Rohstoffe wie z.B. Gold, können in Zeiten von Inflation oder Unsicherheit eine Absicherung bieten. Gerade Gold wird oft als Absicherung gegen Inflation, Währungs-abwertungen oder Rezessionen gesehen und gilt als «sicherer Hafen». Ein Gold-ETF kann turbulenteren Börsenzeiten also eine stabilisierende Wirkung auf das Portfolio haben.
Sekor ETF: Auch innerhalb der verschiedenen Sektoren bzw. Industrien gibt es Unterschiede in der Performance. Während der Technologie-Sektor in den letzten Jahren stark gewachsen ist, können andere Sektoren wie Energie oder Gesundheitswesen in bestimmten Marktphasen besser abschneiden. Eine Kombination von ETFs, die auf verschiedene Sektoren fokussiert sind (z.B. Tech, Pharma, Infrastruktur), hilft dabei, das Portfolio ausbalanciert zu halten und von verschiedenen Wirtschaftszweigen zu profitieren.
Fazit und persönliche ETF Kombination
Der langfristige Erfolg von Investitionen in ETF basiert auf der Idee einer Buy & Hold Strategie. Der langfristige Anlagehorizont über mehrere Jahre oder Jahrzehnte ist der Schlüssel zum Erfolg. Wer regelmäßig in verschiedene ETFs investiert und sein Portfolio breit streut, minimiert das Risiko von Einzelverlusten und erhöht die Chancen auf eine stabile Rendite. ETFs bieten somit eine hervorragende Möglichkeit, um langfristig und kostengünstig in den Finanzmarkt zu investieren. Durch die Kombination verschiedener ETFs lässt sich das Risiko noch weiter streuen und gleichzeitig das Potenzial für eine attraktive Rendite erhöhen. Wer regional, Sektor- oder Assetklassen übergreifend investiert, ist gut aufgestellt, um die Chancen der Märkte voll auszuschöpfen und langfristig vom globalen Wachstum zu profitieren.
Beim Aufbau meines Portfolios habe ich mich ursprünglich vom Weltportfolio nach Gerd Kommer leiten lassen. Wer Gerd Kommer ist und was es mit dem Weltportfolio auf sich hat, lässt sich hier nachlesen.
Ich investiere nun seit 4.5 Jahren selbständig an der Börse. In dieser Zeit habe ich mein Portfolio angepasst. Grundsätzlich aber kombiniere ich nach wie vor einen globalen, also MSCI World ETF, zusammen mit einem Emerging Markets, Euro Stoxx und S&P500 ETF. Neu dazugekommen ist ein Sektor ETF über Cyber Security. Diese Kombination sorgt dabei für ein ausgewogenes Portfolio. Dabei habe ich ca. 70% meiner Investitionssumme in den MSCI World investiert. Der Rest ist auf die anderen ETFs sowie einigen Einzelaktien aufgeteilt.
Nachhaltigkeit ist mir dabei sehr wichtig. Es gibt z.B. ETFs welche Aktien von Firmen beinhalten, die z.B. weltweite Viehzucht betreiben oder mit Vieh handeln. So etwas will ich nicht unterstützen. Schaut euch also die entsprechenden Flyer und Fact Sheets der jeweiligen ETF-Anbieter an, in die ihr investieren wollt. Meistens sind die Sektoren, Regionen und eben die entsprechenden Firmen aufgelistet. Nur so könnt ihr sicherstellen, dass ihr schlussendlich auch in Firmen investiert, hinter denen ihr auch stehen könnt. Die für mich beste Plattform zum Thema ETF ist für mich die Seite Justetf. Diese kann ich sehr empfehlen und dort finde ich auch alles, was ich suche. Nun wünsche ich dir viel Erfolg bei der Umsetzung von deinem ETF Portfolio.

